Paddeltour der Kanuabteilung Ostern 2015

Ostertour 2015 zur Lahn bei hohen Pegelständen

 

Ostertour bei hohen Pegelständen

Paddeltouren zu Ostern sind eine heikle Angelegenheit: Die Schneeschmelze ist meist schon vorüber und die Flusspegel sind wieder niedrig; oft liegt der Termin früh im Jahr, sodass die Vegetation noch nicht weit fortgeschritten ist und die Temperaturen nicht gerade zu Ausflügen aufs Wasser einladen. Dieses Jahr war einiges anders: Aufgrund der ergiebigen Regenfälle in der Ostervorwoche liefen die Flüsse über die Ufer; kalt war es zwar nachts, doch tagsüber brachte die Sonne schon angenehme Stunden, was man auch am zarten Grün des Uferbewuchses ausmachen konnte. Leider tippten wir mit unserem Osterziel Lahn aber auf die falsche Region. Das Hochwasser auf diesem für die Schifffahrt zugelassenen Fluss war derart extrem, dass die Wasserschutzpolizei uns am Samstag nicht aufs Wasser ließ.

Das Alternativprogramm bestand aus dem Besuch der Kubacher Kristallhöhle. Im Anschluss daran dreiteilte sich unsere Truppe: Während sich einige aufgrund der eingetrübten Witterung für die Therme nahe Wetzlar entschieden und andere den Wildpark bevorzugten, zog es ein männliches Trio zu einer Wanderung dem Flüsschen Weil entlang bis zur Mündung in die Lahn kurz hinter Weilburg. Im Städtchen angekommen, wurde in zwei urigen Altstadtkneipen einiges dafür getan, auch innerlich den Pegel hoch zu halten, der dann abends am Rande eines gigantischen Osterfeuers im Nachbarort Waldhausen und beim Absacker in der Jugendherberge durchaus konstant gehalten wurde. Über Nacht sank der Pegel dann allerdings – auch jener der Lahn!

Also konnten wir am Ostersonntag in kleiner Gruppe mit sieben Paddlern die verschobene Tour von Oberbiel nahe Wetzlar bis Odersbach in Angriff nehmen. Von Anfang an stand die Sonne am klaren Himmel und wärmte sogar stellenweise den kalten Wind. Die schnelle Strömung trug uns zügig über die 25 Kilometer, sodass wir schon am frühen Nachmittag zum Höhepunkt der Tour gelangten: dem einzigen in Deutschland vorhandenen Schiffstunnel in Weilburg. Zwar ist dieser nur 200 Meter lang, doch seine Befahrung ist nichts für klaustrophobische Gemüter, denn am Ende des Tunnelschlundes heißt es warten, bis jemand die Doppelschleuse bedient, die mit kräftigem Gefälle das ausgleicht, was die Lahn in einer großen Schleife um die Weilburger Altstadt herum mittels zweier Staustufen an Höhe verliert.

Lahn - Bootstunnel mit Schleuse

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Am Ostermontag folgte die Fortsetzung über 22 Kilometer flussab nach Runkel – einem idyllischen Fleckchen an der Lahn mit beeindruckendem Wehr, steinerner Bogenbrücke und mittelalterlicher Burg, was natürlich ausgiebig besichtigt wurde. Schließlich ist Kultur immer auch ein Bestandteil unserer Kanutouren. Bester Beweis für diese Behauptung war der Karfreitag als erster Tag unserer Ostertour. Unsere 14-köpfige Gruppe bereiste ab Linz am Rhein mit einem historischen Schienenbus die rund einhundertjährige Gleistrasse der Kasbachtal-Museumsbahn steil hinauf nach Kalenborn, rollte talwärts zurück bis zur stillgelegten Brauerei Steffens – eine Erlebnisgastronomie mit Backstube, Antiquitätenhandel und Oldtimerschau, die wir natürlich nicht links liegen ließen – und wanderten zurück über die Höhen von Ockenfels wieder hinunter zum Rhein.

 

P.W.