Paddeln wie Gott in Frankreich

Paddeln wie Gott in Frankreich - Bericht über eine Kanu-Reise an Dordogne und Ardeche.

 

Paddeln wie Gott in Frankreich

Auch schon erlebt? Man sitzt im Winter gemütlich im Sessel, liest in einer Fachzeitschrift einen Reisebericht und wird übermannt von Fernweh und Abenteuerlust. So wars vor zwei Jahren, als ich im Kanu-Magazin einen Artikel über die Dordogne im Süden Frankreichs regelrecht verschlang. Ein breiter Fluss mit recht hoher Fließgeschwindigkeit, stellenweise gesäumt von alten Burgen, Schlössern, Herrenhäusern und malerischen Dörfchen voller grauer Steinhäuser mit windschiefen Dächern und turmhohen Felskulissen dahinter – einfach nur schön! Damals legte ich mir einen Satz Kopien dieser Seiten ins Archiv und fixte mit zwei weiteren Stapeln kopierter Blätter auch meine Paddelkumpel Axel und Fitty an. Die zeigten zwar nicht gleich so viel Interesse an diesem Reiseziel wie ich, doch versäumte ich bei unseren sporadischen Treffen nie, immer mal wieder nachzufragen, wie es denn mit einer Paddeltour nach Frankreich in naher Zukunft aussähe. Getreu dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ war irgendwann das Eis gebrochen und die Jungs reif für den Trip gen Süden. Der Plan unseres Trios: eine Reise über zwei Wochen hinweg, die Ehefrauen mit an Bord und auch Paddeltouren auf der benachbarten Ardèche. Mitte Mai 2015 wurde als Termin angepeilt.

Auf dem Campingplatz in Lacave bezogen wir nach nerviger Autofahrt über 1100 km unser Quartier in einem Mobilheim. Die Dordogne zog am Ufer vorüber, hinter dem Fluss ein Felsstock, der schon ein wenig an die Bilder aus dem Kanu-Heft erinnerte. In den Tagen darauf erkundeten wir in vier Abschnitten den Fluss. Unsere Vorliebe für die Etappe St. Rome--Beynac-et-Cazenac unterstrichen wir mit einer Wiederholungsfahrt samt Unterbrechung im malerischen Städtchen La Roque-Gageac mit den markanten besiedelten Steilfelsen, die der Zeitschriftenbeitrag so eindrücklich beschrieben hatte. Nun wussten wir, dass es keine Übertreibung war. Allein dieses Fleckchen Erde zusammen mit dem Zielort ließen die Reisestrapazen der weiten Anfahrt schnell vergessen.

Nach einer Woche hieß es: Umsiedeln an die Ardèche! Auch hier empfingen uns gemütliche Mobilheime mit Frühstücksterrasse und in Sichtweite ein sauberer Pool zum Baden am Nachmittag. Leider hatte sich das Wetter inzwischen leicht abgekühlt, war aber noch sonnig und einladend genug fürs Paddeln und Wandern. Zum Auftakt wählten wir die einfache Wildwasserstrecke von unserem Campingplatz nahe Aubenas elf Kilometer stromab bis Vogué. Am Tag darauf starteten wir am Wehr von Vallon, um die Ardèche-Schlucht in Angriff zu nehmen – immerhin 30 km, aber landschaftlich und flusstechnisch der absolute Knaller, was Andrea durch eine Kenterung an einer Felsnase gleich mal unter Beweis stellen wollte. In den Folgetagen paddelten wir weitere Abschnitte, befuhren auf 19 km auch die Cèze, bestaunten deren eindrucksvollen Katarakt, wanderten ein wenig durch die Berge, besuchten Dörfchen und kleine Städte, ließen es uns in Avignon gut gehen, speisten hier ein Häppchen und tranken dort einen Schoppen – lebten und paddelten also wie Gott in Frankreich.

Text und Fotos: Peter