Nora und Stefan 2014 auf Schwedentour

Nora und Stefan berichten von ihrer Paddeltour 2014 durch das Seengebiet Dalsland in Schweden

 

Schweden 2014 mit Stefan und Nora

Am Freitag, den 8.8.2014 geht unsere zweite gemeinsame Schwedentour los. Wie schon vor zwei Jahren planen wir das Seengebiet in Dalsland unsicher zu machen. Dort werden wir dieselbe Route fahren wie damals (knapp 150km), doch diesmal ist Ben leider nicht dabei, sodass Stefan und ich uns allein zurechtfinden müssen. Ohne Aufpasser und Koordinator! Wie sich noch herausstellen wird verläuft diese Fahrt (vielleicht auch deshalb) in jeglicher Hinsicht unerwarteter (und vielleicht auch unangenehmer) ab.

Wir meistern jedoch die erste Hürde (die Anfahrt) ohne Probleme. Nach ca. 18h Fahrt laden wir hoch motiviert das Auto an der Einsatzstelle in der Nähe von Ed aus. Wir wollen keinen Pausentag machen, sondern sofort loslegen und ein kurzes Stück paddeln. Stefan setzt das Auto zu Fuß nach Ed um (15km!). Als wir losfahren verdüstert sich unheilvoll der Himmel. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nicht, dass dies ein durchaus schlechtes Omen ist.

Nach einigen Kilometern mit Gegenwind suchen wir uns einen altbekannten Lagerplatz aus. Dort machen wir auch unsere, für den Urlaub, erste Erfahrung mit Regen.

Am nächsten morgen sind einige Stellen im Zelt relativ feucht, aber kein Grund zur Panik, oder?!

Heute machen wir einiges an Strecke. Wir durchkreuzen einen See, umtragen eine lange Strecke über einen Berg, befahren (mit den äußerst schweren und langen Wanderkajaks) einen kleinen Fluss mitsamt Baumhindernissen und durchqueren noch zwei weitere Seen, bis wir uns endlich und erschöpft einen Lagerplatz suchen. Es wird ein schöner Abend, weshalb wir zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen können, dass uns am nächsten morgen ein heftiger Regen wecken würde, oder vielmehr das Tropfen von der Zeltdecke. All unser Equipment ist, bis auf die Schlafsäcke und die in wasserdichten Säcken verstauten Anziehsachen durchnässt. Als wir gerade, in kompletter Regenmontour, ins Boot steigen wollen hört der Regen schlagartig auf.

Doch wir lassen uns nicht unterkriegen. Heute wird wieder ein ordentliches Stück gepaddelt. Wir kommen sogar durch Gustavsfors (keine Stadt, vielmehr eine Ansammlung von Häusern mit einem Mini Supermarkt, einem Kanuverleih und einer Schleuse). Dort suchen wir nach einem Ticket, mit dem es erlaubt ist auf den festen Lagerplätzen mit Hütte zu übernachten. Ich erkundige mich am Kanuverleih. Doch wir wissen nicht wie dieses Ticket heißt, also erkläre ich umständlich mein Anliegen (an dieser Stelle habe ich Ben sehr vermisst). Nach in etwa fünf (sehr peinlichen) Minuten Monolog in gebrochenem Englisch informiert mich die nette Frau, dass sie deutsch spricht. Sehr erleichtert erhalten wir nach einigem hin und her Gelaufe durch Gustavsfors (keine weiten Strecken) die sogenannte „Nature Card“.

Nach diesem Erfolg paddeln wir weiter, doch bei der Suche nach einem festen Lagerplatz (möglichst mit Hütte) bemerken wir, dass wir nicht die einzigen Paddler sind, die sich nach einer Hütte sehnen. So kommt es, dass wir die folgenden zwei Nächte wieder im Zelt schlafen müssen. Da uns immer wieder Regen und Gewitter überraschen ist es fast unmöglich alle Sachen trocken zu legen. Jedoch stellt sich heraus, dass wir das Zelt mit Hilfe einer darüber gespannten Plane trocken halten können. Wenigstens eine kleine Erleichterung.

Aufgrund der miesen Wettersituation beschließen wir außerdem die Tour etwas abzukürzen. So kommen wir durch Lennartsfors (mit einer dreifach Schleuse) durch. Dort unterhalten wir uns mit einem freundlichen Ranger, (er spricht zufälligerweise deutsch), den die Nachricht erreicht hat, dass wir nach einer Nature Card gefragt haben (vor zwei Tagen und 25km!). Außerdem erfahren wir, dass in der Umgebung ein rotes Tourjak (Wanderkajak) geklaut worden ist, und dass wir die Augen offen halten sollen (dazu später mehr).

Wir haben ungefähr die erste Hälfte der Strecke hinter uns und bemühen uns auch die zweite so schnell wie möglich zu bewältigen. Wir übernachten sogar einmal in einer Hütte eines festen Lagerplatzes, wo wir es uns richtig gut gehen lassen (ein heftiges Gewitter zeigt uns, dass die Hütte in dieser Nacht absolut notwendig war).

Den nächsten Tag paddeln wir nicht viel, sondern verbringen ihn eher mit einem gnadenlosen Kampf um eine Hütte, den wir mit drei weiteren Gruppen austragen (sie sprechen alles zufällig deutsch). Wir geben auf und zelten wieder (kommt einem vor, wie ein massiver Luxusverlust).

Der nächste Tag soll unser vorletzter werden und wir füllen unsere Reserven in dem Örtchen Nössemark auf (hier gibt es sogar einen Campingplatz!). Und finden am Abend (nach vielen, vielen Kilometern) ein lauschiges Plätzchen, unseren letzten Lagerplatz für diese Tour. Dort gefällt es mir sehr gut, bis uns bei einer kurzen Erkundungstour ein Haufen abgenagter (sehr großer!) Knochen auffällt. Die leichte Beunruhigung wird durch einige (frisch aussehende) Elchhaufen nicht gerade gemildert. Aber wir überleben tatsächlich die Nacht und paddeln am nächsten morgen mit großer Vorfreude in Richtung Auto und Zivilisation. Dabei überrascht uns auf den letzten Kilometern ein Gewitter, doch wir schaffen es.

Am Ausstieg fällt Stefan ein rotes Wanderkajak in einem Gebüsch auf. Ich halte es für absurd, doch Stefan ist überzeugt, dass es sich um das geklaute Kajak handeln könnte, denn es ist ein Tourjak und die Steueranlage, sowie ein Paddel fehlen. Gewissheit bekommen wir erst, als ein Kanuverleiher auftaucht, um zwei Touristen abzuholen. Stefan fragt ihn (er spricht zufällig deutsch), ob es sich um das geklaute Kajak handeln könnte. Und tatsächlich: Stefan hatte recht. Doch der guten Laune über das aufgeklärte Verbrechen wird sogleich ein Dämpfer versetzt, denn die Scheibe von Stefans Schiebefenster ist gesprungen, vermutlich ein Wärmeriss.

Die nächsten Tage besuchen wir noch einen Nationalpark in der Umgebung (wir treffen eine nette Frau, die zufällig deutsch spricht und es regnet) und machen uns auf die gemächliche Rückreise an der Küste entlang mit diversen Zwischenstopps. Von da an schlafen wir jede Nacht im Auto auf einem Campingplatz. Es kommt einem vor, wie in einem 5 Sterne Hotel.

Einmal droht schon wieder alles schief zu laufen, als Stefan das Fährenticket für die Rückfahrt nicht mehr finden kann (wir hatten im Voraus gebucht). Doch dieser Schock hält nicht lange, denn die nette Campingplatzbesitzerin (sie spricht leider kein deutsch) und ich finden es auf der Wiese in der Nähe unseres Stellplatzes (es war wohl aus dem Auto geweht).

Doch das ist noch gar nichts im Gegensatz zu dem Schock, als die Motorkontrollleuchte des Autos aufblinkt. Zum Glück befinden wir uns noch in einem etwas größeren Ort, sodass wir ohne Probleme zur nächsten VW-Werkstatt abgeschleppt werden können, doch diese befindet sich in einem Industriegebiet und hat erst am nächsten morgen um sieben Uhr geöffnet. So stehen wir Stunde um Stunde auf dem Parkplatz der Werkstatt und warten auf den morgen. Der Harken: Es gibt weder eine Toilette, noch Gebüsch, noch sonst irgendetwas in der Umgebung und weg kommen wir auch nicht mehr.

Doch, am nächsten Tag, nach etlichen Stunden Warterei in der Werkstatt (dort gibt es einen Fernseher und die Nachrichten berichten von schlimmen Überschwemmungen aufgrund des starken Regens) und einem deutlich leichteren Geldbeutel kann die Fahrt weitergehen. Stefan und ich wollen nun so schnell wie möglich auf deutschen Grund und Boden zurück (falls Schlimmeres passiert beherrschen wir wenigstens die Landessprache und können mit eigener Währung bezahlen).

Wir übernachten noch einmal auf Fehmarn (diesmal aber wild, da kein Campingplatz mehr offen ist) und entgehen nur knapp einem Wildunfall auf einer Landstraße.

Endlich steht der letzte Tag unserer Reise an. Auf einer Autobahnraststätte nehmen wir eine junge Anhalterin mit, die nach Bochum will (unsere Richtung). Sie ist Veganerin, hat Dreadlocks und trampt auf langen Strecken immer. Wir haben sehr viel Spaß während der Fahrt und wechseln uns mit dem Fahren ab. Nach einem Zwischenstopp in Bochum kommen wir erst spät am Abend an und sind unglaublich dankbar für eine warme Mahlzeit und einen frischen Salat.

Auch wenn wir uns die folgenden Tage erst einmal vom Urlaub erholen mussten, einiges repariert und trockengelegt werden musste und wir uns schworen nie wieder nach Schweden zurückzukehren, war es eine aufregende und tolle Zeit, in der wir uns körperlich vielleicht nicht unbedingt erholten, jedoch unseren Geist frei machen konnten und erkannten, wie viel ein festes Dach über dem Kopf und eine warme Mahlzeit wert sind.


Nora Hoffmann